05. November - 09. April 2017 Bochum

ARTIGE KUNST

Hans Schmitz-Wiedenbrück, Familienbild, (vor) 1939, Öl auf Leinwand, ca. 160 x 200 cm, © German Art Gallery, The Netherlands
Alexej von Jawlensky, Mädchenbildnis, 1909, Öl auf Leinwand, 92 x 67,2, © Museum Kunstpalast, Düsseldorf. Foto: Horst Kolberg - ARTOTHEK
Arno Breker, Die Kameraden, 1940, Bronzerelief, 100 x 75 x 12 cm, Atelier Breker, Düsseldorf, © Atelier Breker, Düsseldorf. Foto: Thorsten Koch
Sepp Happ, Über allem aber steht unsere Infanterie, (linker Teil eines Triptychons), 1943, Öl auf Leinwand, ca. 200 x 100 cm, © German Art Gallery, The Netherlands

Kunst und Politik im Nationalsozialismus

Das Ausstellungsprojekt "Artige Kunst" des Museums Situation Kunst in Bochum setzt sich auf kritisch-analytische Weise mit der Kunstpolitik im Nationalsozialismus auseinander, die für das Selbstbild des Regimes wesentlich war.

Der Titel versteht sich als Gegenbegriff zur diffamierenden NS-Terminologie der "entarteten Kunst". Gezeigt werden exemplarische Werke der offiziell geduldeten und geförderten Kunst der NS-Zeit, dazu in prägnanter Gegenüberstellung Werke von verfolgten und verfemten Künstlern, die ein differenziertes Gegenbild zur überwiegenden Einfältigkeit der systemkonformen Kunst entwerfen.

Die Ausstellung basiert auf der Überzeugung, dass Museen und öffentliche Ausstellungsinstitutionen nicht zwangsläufig Orte sind, die ihre jeweiligen Exponate aufwerten. Vielmehr kann und soll ein Museum – insbesondere eine universitätsassoziierte Institution wie Situation Kunst – als Ort der kulturellen und gesellschaftspolitischen Bildung auch kritische Diskurse befördern und augenöffnend aufklärerisch wirken.

So kann die Ausstellung zeigen, dass größten Teilen der hier versammelten "artigen" Kunst ein kritisch hinterfragendes Potenzial ebenso fehlt wie ein humanistischer Anspruch. In mehr oder weniger ungeschickter Stilverspätung werden z. B. ländlich-familiäre Idyllen heraufbeschworen, Sportler bei der körperlichen Ertüchtigung gezeigt, Bauprojekte des sogenannten "Tausendjährigen Reichs" illustriert oder mythologisch inspirierte Szenen ins Bild gesetzt.

Macht man sich bewusst, dass diese Werke entstanden, während gleichzeitig die brutale Ausgrenzung und Verfolgung ganzer Bevölkerungsgruppen stattfand, während der Zweite Weltkrieg vorbereitet wurde bzw. schon ausgelöst war und während Millionen Menschen in Konzentrationslagern gefoltert und ermordet wurden, dann wird die "innere Falschheit" (so Max Imdahl) dieser Kunst offensichtlich.

Gerade in dieser Falschheit bzw. Verlogenheit liegt eine wesentliche politische Bestimmung der artigen Kunst: Indem sie weite Bereiche der gesellschaftlichen Realität ausblendete oder beschönigte, konnte sie systemstabilisierend wirken und in Zeiten von Krieg, Terror und Massenmord die erwünschte Entlastungsfunktion einnehmen.

Die Ausstellung umfasst u.a. Werke von Josef Albers, Willi Baumeister, Claus Bergen, Max Beckmann, Arno Breker, Otto Dix, Otto Freundlich, George Grosz, Erich Heckel, Paul Junghanns, Paul Klee, Marg Moll, Karel Niestrath, Felix Nussbaum, Franz Radziwill, Ivo Saliger, Hans Schmitz-Wiedenbrück, Karl Schmidt-Rottluff, Karl Schwesig, Kurt Schwitters, Max Slevogt, Marianne Werefkin und anderen mehr. Sie ist noch bis zum 9. April 2017 im Museum Situation Kunst (für Max Imdahl) in Bochum zu sehen.

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