18. Februar - 12. Juni 2016 Tate Modern London

PERFORMING FOR THE CAMERA

150 Jahre Selbstinszenierung in der Fotografie

Über 500 Bilder haben die Kuratoren für die Schau in der Londoner Tate zusammengetragen. Die Ausstellung widmet sich der Beziehung zwischen Fotografie und Performance. Der zeitliche Rahmen erstreckt sich dabei über einen Zeitraum von etwa 150 Jahren – vom 19. Jahrhundert und den ersten in dieser Zeit entstandenen Fotografien bis hin zur Gegenwart, in der das Selfie als das in den heutigen sozialen Medien allgegenwärtige Selbstporträt nicht mehr wegzudenken ist.

Die Werke lassen kunstvoll inszenierte Momente erkennen, in denen Menschen sich von ihrer besten Seite zeigen, aber auch humorvolle und improvisierte Szenen, die zum Schmunzeln anregen. In jedem Fall bieten die gezeigten Fotografien reichlich Potenzial, um unsere heutigen Sehgewohnheiten zu hinterfragen.

Einige der frühesten Fotografien, welche die Ausstellung präsentiert, stammen aus dem Atelier des französischen Fotografen Nadar, der seine Modelle mittels raffiniert eingesetzter Beleuchtung inszenierte, um den Blick auf Gesicht und Hände zu lenken und so eine psychologische Erfassung der dargestellten Personen zu erreichen.

Die Fotografie wurde bald mehr als nur ein dokumentarisches Mittel. Sie wurde zum anerkannten künstlerischen Ausdrucksmittel, mit dem der jeweilige Künstler sich inszenieren konnte – etwa in Werken von Charles Ray oder Erwin Wurm, die oftmals für ihre eigene Kamera posieren, oder im Werk von Boris Mikhailov, der die Idee des Selbstbildes mehr konzeptuell umsetzt. Fotografien berühmter Konzeptkünstler wie Marcel Duchamp und Cindy Sherman zeigen ebenfalls, auf welche Weise eine Konstruktion der eigenen Identität erfolgen kann.

Fotografien von Amalia Ulman wiederum hinterfragen die eigene Selbstinszenierung in den sozialen Medien. Die Künstlerin inszenierte sich 2014 monatelang auf Instagram und Facebook als naives Mädchen, das in die Großstadt zieht, um Model zu werden, sich von einem älteren Herrn aushalten lässt und am Ende einen Nervenzusammenbruch erleidet, der sie zu einem besseren Leben führt. Doch die Erzählung vom Aufstieg und Fall eines Mädchens war reine Fiktion. Eine Performance, die bei ihren Followern Unverständnis auslöste und auf eindringliche Weise zeigt, wie schmal der Grat zwischen Wahrheit und Lüge in den digitalen Medien ist.

Die Ausstellung wird vom 18. Februar bis zum 12. Juni 2016 in der Tate Modern in London zu sehen sein.

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