01. April - 12. Juli 2015 Deichtorhallen Hamburg

PICASSO IN HAMBURG

Picasso-Ausstellung ohne Picasso

Es ist eine Ausstellung, die Picasso in den Fokus stellt, und doch ganz ohne ein einziges Werk von dem großen Meister der Moderne auskommt. Die Deichtorhallen in Hamburg zeigen ab dem 1. April 2015 anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens eine groß angelegte Schau zu Picasso und seinen Folgen. Dahinter steckt eine kluge Strategie, die große Künstlernamen zum Anziehungspunkt einer Ausstellung macht, um das kunstinteressierte Publikum ins Museum zu locken. Doch auch wenn zunächst eine andere Erwartungshaltung angesichts des Ausstellungstitels vorherrscht, so enttäuscht die Bandbreite der ausgestellten zeitgenössischen Werke, die Picasso als Inspirationsquelle nimmt, in keinem Fall.

Die Ausstellung nimmt auf diese Weise nicht nur die bis heute weit unterschätzte Wirkungsgeschichte eines allenthalben bekannten Künstlers in den Blick, sondern ermöglicht es den Besuchern auch, Werke der Gegenwart vor dem Hintergrund ihrer Inspirationsquelle besser zu verstehen.

Versammelt sind rund 200 Arbeiten von 90 internationalen Künstlerinnen und Künstlern – mit Fokus auf den letzten 50 Jahren künstlerischen Schaffens –, die zum großen Teil aus den eigenen Sammlungen der Deichtorhallen stammen. Bemerkenswert ist, dass alle wichtigen Schaffensphasen Picassos in den zeitgenössischen Arbeiten der ausgestellten Künstler widergespiegelt werden. Insbesondere „Les Desmoiselles d’Avignon“, Picassos vermutlich berühmtestes Werk, inspirierte zahlreiche Künstler seit der Generation der Abstrakten Expressionisten. Auf inhaltlicher Ebene gehört wohl sein Antikriegsbild „Guernica“ zu den folgenreichsten Werken von Picasso, die eine Reihe politischer Bildsetzungen des 20. Jahrhunderts bis heute nach sich zogen. Die sechs Guernica-Interpretationen bilden dann auch den Kern der Ausstellung.

Obwohl die ausgestellten Künstler sehr unterschiedliche künstlerische Ansätze verfolgen, ist ihnen allen jedoch eine intensive Auseinandersetzung mit dem epochalen Werk von Picasso gemein.  Ausgewählte Arbeiten von Georg Baselitz und Karl Otto Götz zeigen beispielsweise den Einfluss Picassos auf die deutsche Nachkriegskunst, die vor allem die Größe und Bedeutung des wichtigsten spanischen Malers der Moderne thematisiert. Auch die weltweite Rezeption wie etwa in China oder in Afrika – von dessen Kultur sich Picasso selbst einst beeinflussen ließ – verdeutlicht die Ausstellung anhand ausgewählter Beispiele. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Wahrnehmung Picassos durch international führende Künstlerinnen wie etwa Cindy Sherman, Marlene Dumas oder Rachel Harrison, die deformierte Picasso-Frauen mit Amy Winehouse-Porträts kombiniert. Auch fotografische Porträts, die mit der Ausstrahlung Picassos in einen Wettstreit zu stehen scheinen, sind in der Ausstellung vertreten. Außerdem Werke der Appropriation Art – insbesondere aus dem anglo-amerikanischen Raum –, die sich anhand von oft vordergründigen Zitaten stark an ihrem Vorbild orientieren und damit eine Gegenreaktion auf die Minimal und Concept Art darstellen.

In anschaulichen Themenräumen erhält der Besucher einen vielfältigen Einblick in die verschiedenen Rezeptionsformen zeitgenössischer Kunst und entdeckt den großen Künstler des 20. Jahrhunderts auf eine ganz neue Art und Weise.

Die Ausstellung „Picasso in der Kunst der Gegenwart“, die von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet wird, kann bis zum 12. Juli 2015 in der Halle für aktuelle Kunst in den Hamburger Deichtorhallen besichtigt werden.

Example.com uses cookies. Close

Um eine optimale Funktionalität zu gewährleisten, werden auf dieser Website Cookies eingesetzt. Wenn Sie die Nutzung der Website fort­setzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weiterführende Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung

Checkbox kommt...