31. Januar - 07. Juni 2015 21er Haus Wien

SCHLAFLOS

Das Bett in Geschichte und Gegenwartskunst

Die erste Assoziation, die uns bei dem Gegenstand Bett in den Sinn kommt, ist normalerweise der Schlaf. Kein Wunder, verbringt der Mensch doch fast ein Drittel seines Lebens schlafend im Bett. Die Möglichkeit zur Ruhepause ist jedoch nicht die einzige Funktion, die das Bett erfüllt. Eine Ausstellung in Wien, die sich rund um das Bett als Motiv in der Kunstgeschichte sowie in der zeitgenössischen Kunst beschäftigt, zeigt, dass es der Menschheit seit jeher ganz unterschiedlichen Zwecken diente. Neben der Funktion als Schlaf- und Ruhestätte war das Bett schon immer auch Schauplatz von Geburt und Tod, aber auch von Erotik, Sex und Gewalt, Krankheit und Einsamkeit. Es sind diese im Bett sich ereignenden Phasen, die den Kreislauf des Lebens definieren und die Entwicklung eines Menschen sowie seine Kultur entscheidend prägen.

Unter dem Titel "Schlaflos" nimmt die Wiener Ausstellung diese verschiedenen Funktionen und menschlichen Ausdrucksformen in den Blick und veranschaulicht, wie das Bett seit Jahrhunderten und in allen Kulturen der Welt als künstlerisches Motiv in Malerei, Zeichnung, Skulptur sowie Fotografie und Video umgesetzt wird. Die Ausstellung zeigt in diesem Zusammenhang Werke von den alten Meistern bis hin zur Gegenwartskunst und gewährt einen Einblick in den sozialen oder kulturellen Kontext, der sich hinter der Verwendung des Bett-Motivs verbirgt.

Mit der Darstellung des Bettes als Ort der Geburt, wo das Wunder des Lebens seinen Anfang nimmt, ist oftmals eine metaphorische Bedeutung verbunden. Das Bett wird auf diese Weise zur Veranschaulichung der Ursprünge menschlicher Existenz. Die traditionellen Darstellungen der Geburt Mariens oder Jesu gehören dabei zu den wichtigsten religiösen Motiven der Kunstgeschichte. Die Tradition der Darstellung der Geburt findet ihre Fortsetzung jedoch auch in der Gegenwartskunst, wie beispielsweise bei Robert Gober oder Sherrie Levine.

Dass auch leidvolle Ereignisse wie Krankheit und Tod im Bett stattfinden und in der Kunst thematisiert werden, zeigen Werke von Maria Lassnig, Gustav Klimt oder eine Aufnahme der Fotografin Cecil Beaton, die 1940 ein kleines Mädchen auf dem Krankenbett porträtierte. Interessante Sichtweisen bieten wiederum vergleichende Gegenüberstellungen von Aufnahmen berühmter Persönlichkeiten oder historischer Begebenheiten, die sich im Bett abspielten. So werden Fotografien von Kate Moss oder Madonna den letzten Abbildungen von wichtigen Persönlichkeiten auf dem Totenbett gegenübergestellt.

Oftmals lassen die gezeigten Werke aber auch eine kritische Haltung erkennen, wie etwa bei Lucinda Devlin, deren Fotografien die menschenunwürdigen Hinrichtungsstätten in amerikanischen Todeszellen dokumentieren, oder bei einem der berühmtesten Künstlerpaare der Kunstgeschichte: John Lennon und Yoko Ono. Um gegen den Krieg zu protestieren, legten sie sich vor fast 50 Jahren zusammen ins Bett und verkündeten: Make love, not war! Mit dieser Performance wurde das Bett in der bildenden Kunst zum politischen Instrument.

Zahlreiche andere Künstler der Gegenwart, von Lucian Freud, Yayoi Kusama über Rosemarie Trockel bis Egon Schiele oder Franz West haben sich der Form des Betts bedient oder - wie Tracey Emin und Damian Hirst - das Bett als Readymade verwendet. Die Wiener Schau, die noch bis zum 7. Juni 2015 im 21er Haus besichtigt werden kann, ermöglicht einen vielfältigen historischen und multimedialen Überblick über das Bett als Motiv der Kunst und zeigt die enorme Bedeutung von einem der alltäglichsten Dinge in unserem Leben.

 

21er Haus

Schweizergarten

Arsenalstraße 1

1030 Wien

 

 

 

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