22. März - 13. September 2015 Kunstmuseum Wolfsburg

SKURRILE SKULPTUREN

Erwin Wurm in Wolfsburg

Selbstporträt als Essiggurke oder ein aus der Form gegangener, fetter Bus:  Die Kunst des österreichischen Bildhauers Erwin Wurm (*1954), der zu den erfolgreichsten Künstlern der Gegenwart gehört, zeichnen sich durch Witz und Ironie aus. Zugleich setzt er sich in seinen Arbeiten auch mit Politik und gesellschaftskritischen Themen auseinander. Das Kunstmuseum Wolfsburg zeigt nun eine umfangreiche Werkschau des Künstlers.

Erwin Wurm stellt im Wolfsburger Kunstmuseum die Welt auf den Kopf: Mehr als 15 riesige Nordmanntannen, bis zu einer halben Tonne schwer, hängen kopfüber von der Decke der Ausstellungshalle. Der dichte Tannenwald, der in seiner Umkehrung die dichte und zylindrische Form der Nadelbäume betont, bildet den großen Rahmen für die Ausstellung des Österreichers. Als umgedrehter Wald wird das mythisch geladene Motiv der deutschen Romantik in sein Gegenteil verkehrt. Gewohnte Vorstellungen des Menschen und der Gesellschaft gibt Wurm der Lächerlichkeit preis.

Meist sind es gewöhnliche Objekte des menschlichen Alltags, die Wurm gegen alle Regeln der klassischen Bildhauerkunst verformt und ihnen ihrer ursprünglichen Funktion beraubt. So gestaltet der Künstler einen aufgeblähten Unterleib als Pissoir und verdeutlicht damit, was Menschen eigentlich sind, „Abfallsäcke“ –  laut Wurm –, die alles Mögliche in sich hineinschütten.

Wurms eigenwilliger Humor tritt auch in dem Selbstporträt als Essiggurke in Erscheinung. Nach dem Motto: „Du bist, was Du isst“ porträtiert sich Wurm, der sich selbst als Kind der 50er Jahre bezeichnet und mit Essiggurken aufgewachsen sei, in Form von 17 krummen Gurken, die auch als Sinnbild für Männlichkeit stehen, und verschont so auch seine eigene Person nicht vor Spott.

Vor dem Museum steht ebenfalls, nicht zu übersehen, eine von Wurms skurrilen Skulpturen. Ein deformierter gelber VW-Bus aus den siebziger Jahren dient nicht nur als Currywurststand für die Besucher, sondern symbolisiert mit seinen Beulen auch ungesundes Fett. Die Zu- und Abnahme von Gewicht steht für Wurm sowohl für den menschlichen Körper als auch für die Kunst der Bildhauerei selbst. Denn Wurm interessiert sich in all seinen Arbeiten, trotz des stets präsenten ironisch-kritischen Blicks, auch immer für grundlegende bildhauerische Fragen wie Volumen, Masse, Struktur und Gewicht.

Fast die Hälfte der gezeigten 45 Werke hat der Künstler eigens für die Wolfsburger Ausstellung konzipiert. Sie geben einen anschaulichen Einblick in die Vielschichtigkeit von Wurms bildhauerischen Œuvre. Auch ein Teil seiner berühmten Serie der „One Minute Sculptures“ wird präsentiert. Diese interaktiven Arbeiten sollen die Besucher dazu animieren, für eine Minute selbst zum Kunstwerk zu werden.

Die Ausstellung „Erwin Wurm – Fichte“, die seit dem 22. März für das Publikum geöffnet ist, kann noch bis 13. September 2015 im Kunstmuseum Wolfsburg besichtigt werden.

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