26. April - 29. Januar 2017 Sprengel Museum Hannover

THE BIG SHOTS

Eine etwas andere Niki de Saint Phalle in Hannover

Obwohl sie ein vielfältiges Werk schuf, sind ihre sogenannten Nanas wohl die am häufigsten mit ihrer Kunst in Verbindung gebrachten Objekte. Die  farbenfrohen Nana-Figuren der französischen Künstlerin Niki de Saint Phalle prägen mit ihren fülligen und überdimensionierten Formen zahlreiche öffentliche Plätze in ganz Europa. Die Künstlerin widmete sich jedoch erst ab den späten sechziger Jahren diesen voluminösen Plastiken. Davor entstehen erste Gemälde und Assemblagen. Zudem arbeitet sie als Aktionskünstlerin und beginnt mit ihren „Schießbildern“, mit denen sie erstmals Aufmerksamkeit erregt.

Eine Ausstellung im Sprengel Museum in Hannover zeigt nun auch Werke aus dieser frühen Schaffensphase der Künstlerin, darunter die Schießbilder sowie Materialbilder aus den 1960ern. Insgesamt soll die Schau unter dem Titel „The Big Shots“ die künstlerische Entwicklung Niki de Saint Phalles anhand ausgewählter Werke von Beginn der 1960er bis in die 1990er Jahre präsentieren.  Das Museum schöpft dabei aus einem reichen Fundus, denn die Künstlerin schenkte im Jahr 2000 der Stadt Hannover mehr als 400 ihrer Werke.

De Saint Phalles frühe Emanzipation als Künstlerin manifestieren die Schießbilder: Es handelt sich dabei um Gipsreliefs mit eingearbeiteten Farbbehältern, auf die mit einem Gewehr geschossen wird, sodass die Farbbeutel zerstört werden und die Farbe über das Bild läuft. Ein wichtiges Beispiel ist die Hommage to Bob Rauschenberg – Shot by Rauschenberg (1961), eine in Ehrung an den berühmten amerikanischen Künstler Robert Rauschenberg gefertigte Assemblage, die sie von ihm selber beschießen ließ.

In den großen Materialbildern der 1960er Jahre versucht sich die Künstlerin von ideellen und materiellen Zwängen sowie ihrer Vergangenheit zu befreien. In La Mort du Patriarche (1962) etwa rechnet sie mit der durch Muskeln, großen Phallus und kleinen Kopf charakterisierten väterlichen Figur ab. Mit ihren ersten künstlerischen Werken versuchte Niki de Saint Phalle vor allem auch ihre Kindheit zu verarbeiten, in der sie von ihrem Vater missbraucht wurde. Erst mit den Nanas, die in Hannover mit der Figur der großen Gwendolyn (1966-90) vertreten sind, findet Niki zu ihrer berühmten fröhlichen Formensprache, die so viele ihrer späteren Skulpturen und Installationen im öffentlichen Raum kennzeichnen.

In der Hannoveraner Ausstellung wird außerdem eine Auswahl der Modelle gezeigt, die Niki in den späten 1970er Jahren für die Ausgestaltung des Tarotgartens in Italien angefertigt hat. Für den seit 1998 öffentlich zugänglichen Park, den die Künstlerin als meditativen Garten verstand, schuf Niki de Saint Phalle gemeinsam mit ihrem Mann Tinguely insgesamt 22 Figuren in Anlehnung an das französische Tarot-Kartenspiel sowie zahlreiche bunte und fantasievolle Mosaike.

Die Ausstellung, die als Auftakt der großen Sammlungspräsentation unter dem Titel „130 % Sprengel“ im Sprengel Museum Hannover gezeigt wird, ist vom 26. April 2016 bis 29. Januar 2017 in der Einblickshalle des Museums zu sehen.

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