Fr, 26. Februar 2016 Albertina Wien

VON CHAGALL BIS MALEWITSCH

Die Vielfalt der Russischen Avantgarde

Die Zeit zwischen 1910 und 1920 ist in Russland durch eine unglaublich vielseitige Phase in der Kunst gekennzeichnet – vom Neoprimitivismus über den Kubo-Futurismus bis zum Suprematismus reichen die Strömungen in dieser Zeit, die parallel zum gegenständlichen Expressionismus und zur reinen Abstraktion verlaufen. Die Albertina in Wien widmet der Vielfalt der Kunst dieser kurzen, aber dynamischen Epoche nun eine großangelegte Schau mit rund 130 Werken von Künstlern wie Kasimir Malewitsch, Wassily Kandinsky, Marc Chagall, Natalja Gontscharowa oder Alexander Rodtschenko. Hauptleihgeber der Schau ist das Staatliche Russische Museum in St. Petersburg.

Die russische Avantgarde gilt als die wahrscheinlich radikalste Erneuerung in der Kunstgeschichte des Landes und zeugt von den politischen Spannungen dieser Zeit. Mit dem Beginn der Stalin-Diktatur und der Bevorzugung eines rückwärtsgewandten Stils des Sozialistischen Realismus endete diese Phase leidenschaftlichen Aufbruchs genauso schnell wie sie ihren Anfang genommen hatte. Ab 1932 werden Künstlervereinigungen, die nicht dem Sozialistischen Realismus und seiner starken Wirklichkeitsnähe entsprechen, geschlossen und Künstler werden aufgrund ihrer Malweise verhaftet und verfolgt. Bereits in den frühen zwanziger Jahren emigriert der in Weißrussland geborene Marc Chagall nach Paris und Kandinsky folgt einem Ruf ans Bauhaus in Weimar.

In elf Sälen präsentiert die Albertina die Vielfalt der russischen Avantgarden, die sich zum Teil diametral gegenüberstehen und die doch jede für sich reklamiert, die Erneuerung der Gesellschaft mit ihrer Kunst voranzutreiben. Allen Kunstrichtungen gemeinsam war das Ziel, sich von der Vergangenheit zu lösen – sei es die Abstraktion des Suprematismus und des Konstruktivismus, für den etwa El Lissitzky und Alexander Rodtschenko stehen, oder die eher traditionellen Formen der Gegenständlichkeit eines Marc Chagall. Die  Künstler schöpften dabei aus unterschiedlichen Inhalten. Einerseits diente die moderne westeuropäische  Avantgarde als Orientierungspunkt, die mit Van Gogh, Matisse, Picasso und Braque in Paris so revolutionäre Ausdrucksformen wie den Fauvismus und Kubismus hervorbrachte. Auf der anderen Seite waren die russischen Künstler ebenso von der volkstümlichen Bildtradition ihrer Heimat beeinflusst.

Auch innerhalb des Werkes ein und desselben Künstlers können unterschiedliche Stilrichtungen auftreten.  Die weite Kluft zwischen den ideologisch-stilistischen Richtungen wird unter anderem bei dem Begründer des Suprematismus sichtbar. Mit seinem berühmten „Schwarzen Quadrat“ von 1915 unternahm Kasimir Malewitsch den ‚verzweifelten Versuch‘, die Kunst vom Gewicht der Dinge zu befreien. Er verschrieb sich damit der reinen Abstraktion. Mit dem Sozialistischen Realismus vollzog Malewitsch eine deutliche Wendung, die sich wieder der figurativen Malerei und vor allem Bauernszenen als bevorzugtem Motiv widmete.

Die visuelle Konfrontation entgegengesetzter künstlerischer Prinzipien und das Sichtbarmachen stilistischer  Sprünge einander ablösender und sich bekämpfender Ismen ist dabei ein wichtiges Prinzip der Ausstellung, die vom 26. Februar bis zum 26. Juni 2016 in der Albertina Wien stattfindet. Begleitet wird die Schau von einem umfangreichen Rahmenprogramm, das von Führungen über Russendisko bis hin zu Filmvorträgen über Sergeij Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“ reicht.

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