06. April - 23. Juli 2017 Kulturforum Berlin

ALCHEMIE - DIE GROßE KUNST

Heinz Hajek-Halke: Ohne Titel, 1950-1970, Farbpapier, Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Sammlung Fotografie, © Heinz Hajek-Halke / Collection Michael Ruetz / Agentur Focus
Johann Permann: Alchemistisches Medaillon, 1677, Gold-Silber-Kupfer-Guss, Wien, Kunsthistorisches Museum, Münzkabinett, © KHM-Museumsverband
Natascha Sonnenschein: Paradies der Künstlichkeit, 2001, Scanografie, Pigmentdruck auf Alu-Dibond hinter Acrylglas, Privatsammlung, © Natascha Sonnenschein / VG Bild- Kunst, Bonn 2017
Rembrandt Harmensz. van Rijn: Der Alchemist (sogenannter Faust), um 1652, Radierung auf Papier, Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett, © bpk / Staatliche Museen zu Berlin Kupferstichkabinett. Foto: Jörg P. Anders

Auf der Suche nach dem Stein der Weisen

Vom 6. April bis 23. Juli 2017 beleuchtet eine groß angelegte Ausstellung im Berliner Kulturforum das Verhältnis von Kunst und Alchemie auf rund 800 Quadratmetern.

Gezeigt werden mehr als 200 Exponate aus über 3000 Jahren Kunst- und Kulturgeschichte aus den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin und der Staatsbibliothek zu Berlin, ergänzt durch herausragende Leihgaben namhafter internationaler Institutionen.

In Europa wurde die Alchemie im Mittelalter als Ars Magna, die Große Kunst, bezeichnet und ihre Praxis diente künstlerischem Schaffen. Entgegen dem landläufigen Missverständnis, war das Anliegen der Alchemisten nicht vornehmlich die Herstellung von künstlichem Gold, sondern nichts Geringeres als die Nachahmung des göttlichen Schöpfungsaktes selbst.

Dieser innere Antrieb, Materie als Teil der natürlichen Schöpfung in ein künstlerisches Elaborat zu transmutieren, führte dazu, dass Künstlerinnen und Künstler bis heute – gerade auch in der zeitgenössischen Kunst – die prozessuale Verwandlung des Materials als integralen Bestandteil ihrer Arbeit verstehen.

Zugleich brachte die Kunst seit dem späten Mittelalter eine eigene Bildsprache hervor, die unsere Vorstellung von der Alchemie noch heute prägt. Fabelwesen aus dem Tierreich, zweiköpfige Hermaphroditen, Homunculi im Laborglas und gottähnliche Alchemisten-Schöpfer, die eine künstliche Welt nach ihrer Vorstellung formen, sind die Protagonisten prachtvoller Bilderhandschriften und alchemistischer Traktate.

In vielgestaltiger Form finden sie sich heute in unserer Alltagskultur wieder. So wird der alchemistische Mythos etwa bei "Frankenstein", in Adaptionen von Goethes "Faust", in der US-amerikanischen Fernsehserie "Breaking Bad" oder dem Manga "Fullmetal Alchemist" publikumswirksam in Szene gesetzt.

Die Ausstellung "Alchemie. Die Große Kunst" verfolgt diese unterschiedlichen Ausprägungen in der künstlerisch-handwerklichen Praxis und der visuellen Kultur von der Antike bis zur Gegenwart anhand von drei Sektionen.

SCHÖPFUNG ist den Ursprüngen der Alchemie gewidmet und zeigt den Einfluss alchemistischer Technologien auf die künstlerische Praxis. SCHÖPFER stellt das Wirken des Alchemisten in den Mittelpunkt, präsentiert ihn bei der Arbeit und illustriert sein Schaffen in allegorischer wie in praktischer Manier. GESCHÖPF fokussiert schließlich auf das Ergebnis  – die erfolgreiche Umwandlung eines unedlen Ausgangsstoffes in Gold bzw. die geistige Umwandlung, die als Homunculus oder Stein der Weisen erscheinen kann.

Dabei wird deutlich, dass die Alchemie bis zum heutigen Tage weit mehr ist als eine fantastische Flause von künstlichem Gold: Die Alchemie ist ein Schöpfungsmythos und künstlerischem Schaffen daher wesensverwandt.

Gezeigt werden Gemälde und Miniaturen, Zeichnungen und Druckgrafik, Hängerollen, Handschriften und Laborbücher, Fotografien und Cyanotypien, Chemogramme und Scanografien, Skulpturen, Installationen und Videos, falsche Edelsteine und künstliches Gold, Böttgersteinzeug und Porzellan, Goldrubinglas und Schmuck.

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