25. März - 19. Juni 2017 Leopold Museum, Wien

CARL SPITZWEG – ERWIN WURM

Carl Spitzweg, Der arme Poet, 1838 © Privatbesitz | Private collection Foto | Photo: Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg/Monika Runge
Carl Spitzweg, Im Putzmachersalon, um 1835 © Museum Georg Schäfer, Schweinfurt Foto | Photo: Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
Erwin Wurm, Narrow House, 2010 © Studio Erwin Wurm Foto | Photo: Leopold Museum/Lisa Rastl, Installationsansicht | Installation view Leopold Museum, Wien | Vienna © Bildrecht, Wien, 2017
Carl Spitzweg, Der strickende Wachposten, 1855 © Museum Georg Schäfer, Schweinfurt Foto | Photo: Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
Erwin Wurm, New York Police Cap Gold, 2010 © Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, London – Paris – Salzburg Foto | Photo: Leopold Museum/Lisa Rastl, Installationsansicht | Installation view Leopold Museum, Wien | Vienna © Bildrecht, Wien, 2017

Köstlich! Köstlich?

Rund 130 Jahre nach dem Tod des "beliebtesten deutschen Malers" präsentiert das Leopold Museum in Wien vom 25. März bis zum 19. Juni 2017 die erste Ausstellung von Carl Spitzweg (1808–1885) in Österreich, dessen Werk gemeinhin in engem Konnex mit den mit der Epoche des Biedermeier verbundenen Definitionen von Beschaulichkeit, kleinbürgerliche Idylle und Spießbürgertum gesehen wird.

Die Ausstellung fokussiert explizit auf das gesellschafts-­ und zeitkritische Werk des Künstlers. Sie stellt seine mit sanfter Ironie vorgetragene, aber unzweifelhafte Kritik am oftmals scheinheiligen, weil hedonistischen Klerus, an der korrupten oder gelangweilten Legislative wie Exekutive oder am saturierten Bürger­ und Beamtentum in den Mittelpunkt.

Gleichzeitig erschließt die Auseinandersetzung mit Spitzwegs Werk die Aktualität seiner Themen, die sich in der "Generation Biedermeier" des 21. Jahrhunderts wiederfinden. An dieser thematischen Schnittstelle treten Spitzwegs Gemälde und Zeichnungen in einen Dialog mit 15 präzise gesetzten fotografischen wie skulpturalen Interventionen des österreichischen Gegenwartskünstlers Erwin Wurm (geb. 1954).

Ähnlich der Spitzweg'schen Manier weist auch Wurms Werk vielfältige Facetten der Poesie und Idylle, des Humors und der (Selbst­)Ironie auf und ist reich an politischen und kulturanalytischen Anspielungen. Beide Oeuvres verbindet ein kritisch­-reflektierter Humor, der als Waffe eingesetzt den Alltag aus anderer Perspektive zeigt und damit vielschichtige Dimensionen evoziert.

Die Beschäftigungslosigkeit der Uniformierten in den friedlichen Zeiten nach den Napoleonischen Kriegen verleitete Spitzweg zu grotesken Darstellungen wie strickenden Soldaten. Die Aktualität dieser Themen wird durch Erwin Wurms Arbeit "New York Police Cap Gold" von 2010 unterstrichen, welche der Polizeikappe überdimensionale Größe verleiht und die Betrachtenden dazu einlädt, sich unter dieses nicht nur schützend, sondern auch bedrohlich wirkende Symbol des Rechtsstaates zu stellen.

Als durchaus gesellschaftspolitisch aufgeladene Typendarstellung ist "Der arme Poet" von 1838 – das wohl berühmteste Gemälde Spitzwegs – zu verstehen, das zwei gegensätzliche Momente auszeichnet.

Einerseits besagt es, dass ein Künstler, dessen Tätigkeit gemeinhin als müßiggängerisch angesehen wird, ein unbeschwertes, von gesellschaftlichen Normen und Konventionen unabhängiges, ja fast trotziges Dachstubendasein führt.

Andererseits vermittelt die dargestellte Szenerie etwas Beklemmendes, da sie Armut und damit Existenzgefährdung repräsentiert. So erheiternd das Motiv zunächst wirken mag, so sehr ist es auch eine sozialkritische Äußerung über die prekäre Situation des Künstlerdaseins.

Auch wenn Carl Spitzwegs subtile Charakterstudien von ihrem Erscheinungsbild biedermeierlich geprägt sind, haben seine Werke voll von subtilen Psychologisierungen nichts von ihrer Schlagkraft verloren.

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