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Top-News  |  24. November 2015

PHANTASTISCHE LANDSCHAFTEN

Die märchenhaften Traumwelten von Arik Brauer und Anton Lehmden

Während wir uns vergangene Woche einem bedeutenden Bild aus dem Werk des Künstlers Rudolf Hausner widmeten, möchten wir Ihnen heute zwei weitere „Phantastische Realisten“ anhand einiger exemplarischer Arbeiten, die aus ihrem künstlerischen Werk herausragen, vorstellen.

Arik Brauer und Anton Lehmden, beide 1929 geboren, gehören ebenso wie Hausner und der kürzlich verstorbene Fuchs zu den Hauptvertretern der sogenannten Wiener Schule des Phantastischen Realismus, die sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs an der Wiener Akademie der bildenden Künste um den Maler und Professor Albert Paris Gütersloh gebildet hatte. Obwohl die Künstler dieselben Vorstellungen über Kunst teilten und sich jeder von ihnen bewusst von der damals vorherrschenden Abstraktion in der Kunst abwandten, entwickelten sie doch alle einen ganz eigenen Stil.

Während sich Hausner vor allem mit Bildmotiven des Surrealismus und der „Pittura metafisica“ eines Giorgio de Chirico beschäftigte, setzte sich Anton Lehmden mit den unwirklichen Landschaften und dämonischen Wesen in den Bildern des österreichischen Grafikers Alfred Kubin auseinander. Die Ähnlichkeit zu den oftmals düsteren Zeichnungen von Kubin, die von einer melancholischen Stimmung und den Schrecken während des Ersten Weltkriegs zeugen, ist unverkennbar. Lehmden bedient sich ebenfalls vorwiegend grafischer Mittel, die auch in der Ölmalerei  vorherrschend sind. In Bildern wie „Panzerschlacht“, das blutige Gefechte vor einem düsteren, aufgewühlten Himmel zeigt, verarbeitet er seine eigenen Erfahrungen, die er im Krieg gemacht hat. In manieristischer Übersteigerung stellt der Künstler seine Figuren im Aquarell mit dem Titel „Familie“ dar. Ein abgetrennter Kopf scheint in dem surrealistischen Bildraum zu schweben, der von einer märchenhaften Traumwelt erzählt, die sich weder im Wasser noch auf der Erde zu befinden scheint.

Ebenso phantastisch wirken die farbenfrohen Landschaftsbilder von Arik Brauer. Übersät mit einer Vielzahl winziger Figuren, von eigentümlichen Pflanzen, Tieren und anderen merkwürdigen Kreaturen konfrontieren sie den Betrachter mit einer unüberschaubaren Fülle von Eindrücken, die an die Wimmelbilder eines Hieronymus Bosch erinnern. Mit seiner geheimnisvollen Bildsprache steht er Rudolf Hausner nahe, der seine eigenen Seelenlandschaften darstellte, doch schöpft Brauer vielmehr aus dem Reich der Fabel und der Historie, aber auch aus dem aktuellen Geschehen. Den zunehmenden Autoverkehr zu Beginn der 1960er Jahre etwa thematisiert der Künstler in seinem Gemälde „Autounfall“ – auch wenn die bunte Farbigkeit des Bildes und die scheinbar tanzenden Figuren auf den ersten Blick nichts von dem unangenehmen Thema verraten.

Neben seiner Tätigkeit als Maler versteht sich Brauer in erster Linie auch als Sänger, in dessen Funktion er bis heute Auftritte absolviert. Daneben war Brauer auch als Architekt tätig, wobei er den Auffassungen von Friedensreich Hundertwasser nahesteht. 1991 entwarf er beispielsweise das nach ihm benannte Arik-Brauer-Haus in Wien im Stil des Phantastischen Realismus. Brauers künstlerische Gestaltung reicht dabei von der Außenfassade über den Innenhof bis hin zu den Deckengemälden im Eingangsbereich und den Fliesenbildern im Badezimmer der einzelnen Wohnungen.

Auch Anton Lehmden widmet sich seit den 1960er Jahren einem ganz besonderen Gebäude. 1966 erwarb der Künstler das prächtige Renaissanceschloss der Gemeinde Deutschkreutz im österreichischen Burgenland, das er seither konsequent restauriert. Zudem betreibt Lehmden auf dem Schloss eine Gemäldeausstellung und veranstaltet regelmäßige Malereikurse im Rahmen einer Sommerakademie, die weit über die Grenzen hinaus bekannt geworden ist.

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