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Top-News  |   9. Februar 2016

100 JAHRE DADA

Nonsens gegen den Wahnsinn der Realität

Das Kunstjahr 2016 steht ganz im Zeichen der Dada-Bewegung, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum feiert. Anlass genug, um sich etwas näher mit den Anfängen und Hintergründen dieser revolutionären Kunstbewegung zu befassen.

Dada ist bis heute ein Synonym für Nonsens schlechthin - die Akteure dieser Bewegung wählten nicht ohne Grund eine solche bewusst banal klingende Bezeichnung. Doch Dada war weitaus mehr. Die Künstler und Dichter, die sich vor 100 Jahren zu dieser Haltung bekannten, wandten sich in erster Linie gegen das bürgerliche Establishment und dessen überkommene Ideale. Dazu gehörten neben dem vermeintlich "guten Geschmack" auch die monarchistischen Strukturen in Europa sowie das Primat der Industrialisierung, das alle Bereiche des Lebens bestimmte - Werte, die den Dadaisten zufolge zum Ersten Weltkrieg führten und die sie massiv infrage stellten.

Als Reaktion auf die Schrecken des Ersten Weltkriegs und den Wahnsinn der Realität riefen sie die Stunde Null aus und erhoben Irrsinn und Sinnlosigkeit zum Kern der Kunst. Damit war jedoch nicht völlig sinnloser Wahnsinn gemeint, sondern vielmehr eine gewollte Provokation und bewusste Fantasiesprache, die sich in bildender Kunst und Literatur, aber auch Tanz und Theater darstellte. Der Dadaismus stellte alle traditionellen Kunstformen in Frage, indem er sie durch satirische Überspitzung zu Kunstwerken ohne Sinnzusammenhang machte.  Konventionelle Lyrik wurde in sinnfreie Lautgedichte verwandelt, aus klassischen Tänzen wurden wilde, experimentelle Bewegungen auf der Bühne. Der "Simultanismus", die gleichzeitige Darstellung von eigentlich Unvereinbarem, wurde zum zentralen Kunstmittel der Bewegung. Man wollte etwas Neues schaffen, dass alles Überkommene hinter sich lässt. Die Dadaisten ebneten damit den Weg für viele spätere Kunstrichtungen wie den Surrealismus, Fluxus, für Performance- und Konzeptkunst.

Einer der Mitbegründer der Dada-Bewegung war Hugo Ball. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete er sich noch freiwillig zum Kriegsdienst, schnell begriff er jedoch die mörderischen Dimensionen eines solchen Krieges. Der Schock führte ihn zu einer Anti-Kunst, die eine klare Absage an den Krieg darstellte. 1915 in die Schweiz emigriert, gründete er kurze Zeit später in Zürich gemeinsam mit Hans Arp und Tristan Tzara das Cabaret Voltaire, das seitdem als die Geburtsstätte der Dada-Bewegung gilt. Von dort breitete sich der revolutionäre Geist in der ganzen Welt aus - bis nach Paris, Berlin, Madrid und New York.

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