Igor Faško

Mythen und Träume, Bilder und Plastiken

Man muss im Leben oft ziemlich tapfer sein – zum Beispiel, wenn man in Deutschland lebt, einem Land, in dem wir das Grau lieben, die Schwermut, den Zweifel, die düstere Romantik und die Gewissheit, dass man ja doch nichts tun kann (und dann nicht einmal mehr zur Wahl gehen, obwohl wir uns dieses Recht vor gar nicht langer Zeit erst erkämpft haben)  – oder auch, wenn man in der Slowakei lebt, einem Land, das weitgehend aus unserem Bewusstsein gerückt ist, weil es zwar nicht mehr hinter dem Eisernen Vorhang liegt, wohl aber hinter der Blechwand, im Osten Europas, wo die Städte vermeintlich grau sind und dunkel, wie sie der polnische Schriftsteller Andrzej Stasiuk beschreibt: „Im Herbst sieht man, dass die Stadt stirbt. Diejenigen, die fliehen wollen, sind schon lange geflohen. Um zehn ist alles tot. Nur die Tankstelle lebt. Dann gehen die Leute auf den Marktplatz und gucken sich die Todesanzeigen an, um zu sehen, wer gestorben ist, und sich zu freuen, dass es sie noch nicht erwischt hat. Und warten auf eine Revolution, die alles verändert. Sie warten ab, in der Hoffnung, dass alles auf den Kopf gestellt wird, dass alles ganz anders wird, als es ist, dass die Letzten die Ersten sein werden.“

Oder wenn man, wie Igor Fasko, sogar in beiden Ländern lebt und beide Sprachen spricht.

„Mit jeder neu erlernten Sprache, erwirbt man eine neue Seele.“ So sagt ein slowakisches Sprichwort. Vielleicht aber macht eine neue Sprache die Seele und das Herz auch nur größer, weiter, offener.

Das wäre eine Voraussetzung dafür, dass die Letzten die Ersten sein werden – das war schon immer, ist es aber immer seltener, auch ein Antrieb der Kunst. Und des Lebens, eines zukünftigen guten Lebens für alle. 

Die Zukunft wächst aus der Erinnerung – aus der Erinnerung wachsen auch die Bilder und Plastiken Igor Faskos.

Kunst kann alles: verstören, aufregen, erschüttern – aber sie kann auch versöhnen, kann uns freundlich stimmen, kann trösten – sie kann für den, der sie macht, und für den sie anschaut, sie benutzt, lebensnotwendig sein oder werden.

Impressionen

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    7 heroes, Öl auf Leinwand, 90 x 200 cm
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    Artemidis , Öl auf Leinwand, 40x80cm
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    Comeback, Öl auf Leinwand, 100x200cm
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    Hierosgamos, Öl auf Leinwand, 100x200cm
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    Horizont, Öl auf Leinwand, 150x 200 cm
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    Krise, Öl auf Leinwand, 150x 200 cm
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    Mythos, Öl auf Leinwand, 100 x 200 cm
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    Ontogenesis, Öl auf Leinwand, 100x200 cm
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    Solstice, Öl auf Leinwand, 40x50 cm
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    Summer 2013, Öl auf Leinwand, 100 x 200 cm
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    The body nobody, Öl auf Leinwand, 150 x 200 cm
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    The eyes relevation, Öl auf Leinwand, 150 x200 cm
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    Wanessa, Öl auf Leinwand, 70 x 200 cm
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    Der Flug, Keramik, Höhe: 30 cm
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    Der Hahn, Bronze, Höhe: 30 cm
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    Igor Fasko Atelierkulisse
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    In Erwartung Keramik, Höhe: 30 cm
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    Kunst am Bau, Kabrid, Höhe: 2,5 Meter, Kunst am Bau
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    Kunst am Bau, Holzplastik, Höhe: 2,5 Meter
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    Kunst am Bau, Weinende Fontäne, Höhe 2,5 Meter
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    Torro, Bronze, 20x30x20 cm

 „Alles ist erleuchtet“, heißt ein wunderbarer Roman des US-Amerikaners Jonathan Safran Foer, der zum großen Teil in der Ukraine spielt – die auch an die Slowakische Republik grenzt. Alles scheint erleuchtet in den Gemälden des Slowaken Igor Fasko. Aus roten, blauen, gelben, grünen, nun auch schwarz-weißen labyrinthischen Formen fügt sich eine Welt, wie wir sie zu kennen glauben, die uns aber doch auch ein wenig fremd ist.

In seinen Zeichnungen, die Igor Fasko zum ersten Mal in Deutschland ausstellt, wird dieser Ansatz besonders deutlich, reduzieren sie doch die Farben- und Formensprache noch einmal und zeigen ganz direkt, in welchem Kanon der Symbole sich Igor Fasko bewegt.

Wir kennen und erkennen sehr viele dieser Zeichen und Formen: Vögel und andere Tiere, Häuser, Kirchen, Sonnen und Sterne, Wege und Mauern, die sie verstellen – sie alle stehen für die Mythen eines kollektiven Gedächtnisses, das wir immer öfter verdrängen oder auch halbwegs bewusst vergessen: Leben und Tod, Mensch und Natur, Gewalt und Zärtlichkeit, Streit und Versöhnung. Diese Symbole greifen ineinander, verbinden und verbünden sich, so wie sie sich auch im Leben verbinden, wie es dort auch nicht nur das Eine oder das Andere gibt. Sie bilden Labyrinthe, Irrgärten, in denen wir uns erst einmal zurechtfinden müssen.  Sie vereinen, was zusammengehört – wie dieses ebenfalls slowakische Sprichwort: Wer in Frieden zu leben wünscht, muss Feuer in der einen Hand und Wasser in der anderen tragen.

In der Geschichte war es oft so, dass, wer die Macht über die Deutung dieser Symbole, dieser Mythen hatte, auch die Macht in der Gesellschaft hatte. Aber all diese Mythen und Metaphern sind viel mehr Sinnbilder eines universellen Menschseins, einer universellen Menschlichkeit, die sich nicht mit dem verträgt, was wir heute im Alltag und in der Realpolitik erleben. Genau genommen gibt es die Mythen nur, um das, wofür sie stehen, zu entmystifizieren.

Wie es diese kollektiven Erinnerungen gibt, gibt es auch eine kollektive Identität, auf die Igor Faskos Kunst hinweist und an der sie sich bedient. 

Im Alltag jedoch dominiert das Trennende,  die unterschiedliche Interpretation der Mythen, wie es die beiden Wissenschaftler Bernhard Giesen und Robert Seyfert beschreiben:

Warum sind wir bereit, unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern das Wahlrecht zuzubilligen, während Ausländer hiervon ausgeschlossen sind? Warum sind viele bereit, anderen Menschen unserer Nation im Katastrophenfall mit Steuergeldern und Privatspenden aus der Not zu helfen, während sie zögern, dies auch Menschen im entfernten Ausland anzubieten? Warum vertrauen wir unseren Nachbarn und misstrauen wir Fremden?“

„Alles ist erleuchtet im Licht der Vergangenheit. Sie ist immer an unserer Seite und schaut hinaus“, heißt es bei Safran Foer; die Vergangenheit schaut hinaus in die Zukunft. Ähnlich scheinen Igor Faskos Bilder und Plastiken, die Formen der Vergangenheit aufnehmen, in die Zukunft. Er verwendet freundliche Totems, archaische Symbole für Glück und Unglück, Leben und Tod – wie sie die Menschen vor Urzeiten erfunden haben, um das Unerträgliche ertragen zu können – die unvorstellbare Unendlichkeit des Weltalls, das unermessliche Glück und Unglück, das Unerklärbare wie die Liebe   – alles, was uns scheinbar als Schicksal gegenübersteht, was wir aber doch beeinflussen können, indem wir uns menschlich verhalten.

„Die großen Dramen des Leben beginnen ganz leise“, hat Sandor Marai, ein in Kosice geborener großer Landsmann Igor Faskos, geschrieben. Mit der Wende wurde eine einst scheinbar feststehende Welt zerstört – und nun gilt es, die Welt neu zusammenzusetzen.

Dies spiegelt sich in den Bildern von Igor Fasko wider.

Sie nehmen Bezug zum Konstruktivismus, zum Kubismus, zum Futurismus – allesamt Stilrichtungen, die zum Teil auch von einer kühlen, technischen Faszination lebten. Igor Fasko greift die Moderne auf, gibt aber vielen dieser Ismen Wärme und eine Art von Geborgenheit zurück. Eine Geborgenheit, die eine Mitte und einen lebendigen Rhythmus hat.

Es fließt und pulsiert in seinen Arbeiten. Die Farben wiegen sich manchmal wie in einem Klangteppich alter Pop-Songs, die von allen Seiten eines Raums auf ein Zentrum hin ausstrahlen. Sie bilden Muster wie auf einem Umhang südamerikanischer Indianer, slowakischer Bauern, asiatischer Mönche, die dem Himmel und der Hölle fast gleich nah sind, Muster, wie auf einem bunten Teppich von Welt, in den man sich fallen lassen kann.
Darauf will wohl die Kunst Igor Faskos hinaus: Dass wir uns auf die Welt einlassen können, in der wir von Himmel und Hölle oft gleich weit entfernt sind, denn Himmel und Hölle sind in uns selbst – aber wir können dem Himmel näher kommen mit diesen Bildern, in denen Unendlichkeit und Vielfalt uns nicht  als Bedrohung sondern als Chance erscheinen.

Diese Symbole vermögen eine Art Solidarität mit dem Fremden zu erzeugen, die die wahre Solidarität ist, wie sie der Soziologe Serhat Karakayali beschreibt:

„Solidarität mit den "Anderen" statt den Ähnlichen, den Fernen statt den Nahen ist so gesehen weder multikulturalistische Überforderung noch moralisches Gebot, sondern genau umgekehrt: Erst mit dem Verlassen der engen Grenzen der Gemeinschaft, vermittelt durch die Hereinnahme des "Anderen", gelingt die Herausbildung einer kosmopolitischen Bürgerschaft.“

Deren Voraussetzung die Vermenschlichung der Mythen ist – Kunst als ein Vorschein auf erlebbare Zukunft.

(Text: Matthias Zwarg, 2014)

Igor Faško - Vita

Igor Faško wurde 1967 im brandenburgischen Treuenbrietzen geboren. Zwischen 1985 und 1991 studierte er Architektur an der STU Bratislava und verbrachte 1990 ein Auslandssemester an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Zu Beginn der 1990er Jahre war er in Bratislava und ab 1994 in Chemnitz als Architekt tätig und arbeitete eng mit dem Bildhauer Peter Strassner zusammen. Im Jahr 2002 hat er sich als Architekt und freischaffender Künstler selbstständig gemacht. Igor Faško hat zahlreiche Kunst am Bau-Projekte umgesetzt. Wie zum Beispiel „Kabrid“, welches eine Hommage an Peter Strassner darstellt und seit 2014 im slowakischen Bratislava steht. Auch das Holocaustdenkmal „Weinende Fontäne“, welches 2011 in Svolen errichtet wurde, stammt von Faško.

Igor Faško ist Mitglied des Chemnitzer Künstlerbundes, des Bundes bildender Künstler in Deutschland (BBK) und des Slowakischen Künstlerbundes in Bratislava (SVVU). Er lebt und arbeitet sowohl in der Slowakei als auch in Deutschland.

Ausstellungen - Ausstellungsbeteiligungen - Preise

Persönliche  Ausstellungen  /Auswahl

Wien - Waluso Verein • Chemnitz - Galerie Schauspielhaus • Poprad - Tatra Galerie • Bratislava- Galerie Artem •  Leipzig- Art-Domain gallery •  Blankenfelde - Galerie Leiga • París- Galery A.O.T.S. • Chemnitz- Galerie Laterne • Bratislava- K-Gallery • Mönchengladbach - Kunst im Zenturo  • Berlin- Galerie Della Rovere  • Bratislava - Galerie GUBA • Dolný Kubín - Oravská Galerie • Dresden - Haus der Architekten • Chemnitz  - Galerie Laterne 2014

Ausstellungenbeteiligung  /Auswahl

Bratislava -Salon der bildenden Künstler Slowakei Jahrgang 2006 bis 2014, Galerie des slowakischen Künstlerbundes, Kunsthalle   • Chemnitz -Projektraum des CKB e.V. „Neuaufnahmen“  • Chemnitz-Herbstsalon, Jahrgang 2007  bis 2011- Augustusburg  • Merseburg - Kunst aus Deutschland Mitte  • Chemnitz -Projektraum des CKB e.V.  •  Oelsnitz - Galerie HHH „Wegzeichen 10“    •  Chemnitz- Projektraum CKB e.V. Zeitgleich 2010 • Chemnitz-Neue Sächsische Galerie - 20 Jahre Kunstverein „Laterne“  •  Leipzig-Freiluftgalerie Parcours 2011 und 2012  • Görlitz -Zukunftsvisionen 2013 • Chemnitz - Werkschau 2014

Preise

Palm Art Award 2009, Art -Domain Gallery Leipzig


Kontakt


Filme

  • Visuelle Kunst 05/2010 (slowakisch)

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